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Die Christus-Erlöser-Kathedrale in Moskau, ein nationales Symbol
Храм Христа Спасителя в Москве - национальный симбол
von Karl Lukas



Nach dem Sieg Russlands über die Grande Armee von Napoleon Bonaparte und deren Vertreibung aus Russland im Winter 1812, gelobte der damalige Zar Alexander I. aus Dankbarkeit für die Rettung Russlands und zu Ehren der gefallenen Soldaten, die Errichtung einer großen Kathedrale in Moskau.
Abb.1 Porträt des Zaren Alexander I. (MiNr 90) aus der am 1. Januar 1913 von der russischen Post verausgabten Markenserie "300 Jahre Romanow-Dynastie"

Für den Bau der Kathedrale wurde 1813 ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, den ein bis dahin unbekannter Maler und Architekt, Alexander Lawrentjewitsch Witberg (Александр Лаврентъевич Битберг), gewann. Nach diesem Entwurf sollte eine monströse Kathedrale im neoklassischen Stil von circa 240 m Höhe mit vorgesetzten, auf Säulen gestützten Portalen, gebaut werden.
Abb.2 Entwurf von Alexander L. Witberg

Im Oktober 1817 erfolgte auf den Sperlingsbergen, etwa auf dem Areal der heutigen "Lomonosov - Universität", die feierliche Grundsteinlegung. Der Standort wurde gewählt, da man dann aus allen Blickwinkeln Moskaus diese Kathedrale sehen konnte. 1825 starb Zar Alexander I. und dessen Bruder bestieg 1826 als Zar Nikolaus I. den Thron. Danach wurde der Bau der Kathedrale eingestellt und Alexander Witberg wurde der Prozess wegen Verschwendung staatlicher Gelder gemacht und in die Provinz verbannt.
Abb.3 Porträt des Zaren Nikolaus I. (MiNr 89) aus der am 1. Januar 1913 von der russischen Post verausgabten Markenserie "300 Jahre Romanow-Dynastie".

Zar Nikolaus I. ließ einen neuen Ideenwettbewerb ausschreiben, den dann der bis dahin unbekannte junge Architekt Konstantin Thon gewann. Thon hatte im Unterschied zu Witberg eine fundierte Ausbildung. Er hatte zuerst an der Petersburger Akademie der Künste und anschließend in Italien studiert. Er entwarf eine Fünfkuppel-Kathedrale im russisch-byzantinischen Stil, das zum Musterbeispiel des historischen Eklektizismus wurde.

Am 26. Mai 1994 verausgabte die russische Post zum 200. Geburtstag Konstantin Thons eine Briefmarke mit dem Portrait Thons und der Christus-Erlöser-Kathedrale.
Abb.4 Russland Mi.-Nr. 386 Erlöserkathedrale von Konstantin Thon

Das Gesamtkonzept der Christus-Erlöser-Kathedrale prägte die Entwicklung der russischen Zentralarchitektur des 19. Jahrhunderts. Am 10. April 1832 wurde der Entwurf vom Zar genehmigt.

Abb.5 Russland Mi.-Nr. 1478/Block 113

Die Blockausgabe vom 8. August 2008 (Abb. 5) zeigt in einem Medaillon das Porträt des Zaren und links die Christus-Erlöser-Kathedrale. Die neue Kathedrale sollte in der Nähe des Kremls an der Moskwa gebaut werden. Dazu wurde das an dieser Stelle stehende Frauenkloster abgerissen. Die Grundsteinlegung für die neue Kathedrale erfolgte am 10. September 1839. Finanziert wurde der Bau mit Mitteln aus dem Staatshaushalt und mit privaten Spenden. Schwierige geologische Bedingungen und je nach Interessenlage der Obrigkeit beschleunigte oder verlangsamte sich das Baufortschritt der Kathedrale, so dass diese erst nach über 40-jähriger Bauzeit fertiggestellt werden konnte.

Abb.6 Moskau Stadtplan von 1879

Auf dem Stadtplan von 1879 ist links perspektivisch die fast fertige Christus-Erlöser-Kathedrale zu sehen. Allerdings war die Fertigstellung erst möglich, nachdem Zar Alexander III. erhebliche Mittel aus Besitz der Zarenfamilie zur Verfügung gestellt hatte.
Die geplante feierliche Einweihung im Jahre 1881 kam, wegen des Attentates am 1. März 1881 auf den Zaren Alexander II., nicht zu Stande.
Abb.7 Porträt des Zaren Alexander III. (Mi.-Nr. 84) aus der am 1. Januar 1913 von der russischen Post verausgabten Markenserie "300 Jahre Romanow-Dynastie"

Erst nach den am 15. Mai 1883 erfolgten Krönungsfeierlichkeiten Zar Alexander III., erfolgte mit Glockengeläut sämtlicher Moskauer Kirchen und einem Feuerwerk, die feierliche Einweihung der Kathedrale. Die Einweihung hat der Architekt Konstantin Thon nicht mehr erlebt, da er bereit 1881 verstorben ist.

Abb.8 Blockausgabe vom 4. Mai 2006 (MiNr 1344/Block 91) mit dem Portrait Zar Alexander III.


Abb.9 Blick auf die Christus-Erlöser-Kathedrale


Abb.10 Blick vom Sophien-Kai auf die Große Steinbrücke und die Christus-Erlöser-Kathedrale


Abb.11 Blick vom Kreml-Kai auf die Christus-Erlöser-Kathedrale


Abb.12 Blick vom Glockenturm "Iwan der Große" in Richtung Christus-Erlöser-Kathedrale

Nach dem Tod des Zaren Alexander III. im Jahre 1894 wurde beschlossen dem Zaren vor der Kathedrale, auf der Seite zur Moskwa, ein Denkmal zu setzen. Finanziert wurde das Denkmal durch einen Spendenaufruf. Gebaut wurde das Denkmal nach einem Entwurf der Architekten Alexander Pomeranzew und anlässlich der 100 Jahrfeier des Sieges über Napoleon am 30. Mai 1912 enthüllt.
Abb.13 Denkmal des Zaren Alexander III.


Abb.14 Denkmal des Zaren Alexander III.

Nach dem Sieg der Bolschewisten wurde das Denkmal als unerwünschtes Symbol der zaristischen Macht 1918 entfernt.
Abb.15 Karte von 1928 ohne Denkmal

Auf der Ansichtskarte von 1928 ist noch der Sockel und das Podest zu sehen auf den die Skulptur von Alexander III. stand.
Abb.16 Ausschnitt aus der Ansichtskarte

1931 ereilte die Kathedrale das Schicksal vieler Kirchen in Moskau, sie wurde gesprengt und abgerissen. An ihre Stelle sollte als neues Symbol, als höchstes Gebäude der Welt, der "Palast der Sowjets" mit einer Höhe von 430 m (nach anderen Angaben 415 m) und darauf eine 100 m hohe Leninstatue gestellt werden.

Abb.17 Ansichtskarte des Models auf der Pariser Weltausstellung von 1937

Dazu ist in dem Reiseführer, "Im Lande der Sowjets - Die Stadt Moskau - Handbuch für Reisende", Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau 1938, auf Seite 43 folgendes zu lesen:
Abb.18 Reise-Beschreibung von 1938


Abb.19 Blockausgabe mit dem Entwurf des "Palastes der Sowjets", vom 16. Juni 1937, zum 1. Allunions-Architektenkongresses in Moskau. (MiNr 567, Block 2, bzw. Marke MiNr 564)


Abb.20 Bildpostkarte mit dem Entwurf "Palast der Sowjets" (MiNr P 164) 1941

Aus verschiedenen Gründen konnte das Projekt nicht verwirklicht werden. Nach dem Überfall der Deutschen Wehrmacht im Juni 1941, wurden aus Mangel an Geldmitteln die begonnenen Bauarbeiten eingestellt und nach Kriegsende nicht wieder aufgenommen. Anfang der 1960-ziger Jahre entstand an dieser Stelle das größte Freibad Europas mit dem Namen "Moskwa".

Abb.21 Freibad "Moskwa" Ansichtskarte von 1963

Da das Schwimmbad beheizt und ganzjährig betreiben wurde, wurde die Gebäude der Umgebung, vor allen Dingen in den Wintermonaten, durch die hohe Luftfeuchtigkeit geschädigt. Auch das in unmittelbarer Nähe stehende "Alexander-Puschkin-Museum für Bildende Künste" hatte darunter zu leiden.

Abb.22 Freibad "Moskwa" Ansichtskarte von 1968


Abb.23 Lageplan des Freibades "Moskwa"

Lageplan des Freibades "Moskwa" in dem "Progress - Reiseführer" MOSKAU Kurzer Reiseführer von W. T. Tschernow von 1980 auf Seite 102 und 103. Das Gebäude Nr. 1 (rechts) ist das "Alexander-Puschkin-Museum für Bildende Künste"

Wiederaufbau:
Bereits zu Beginn der Perestroika wurde über den Wiederaufbau der Christus-Erlöser-Kathedrale diskutiert. Ende der 1980-ziger Jahre wurde ein Rat zum Wiederaufbau und eine Stiftung gegründet, in die große Spenden flossen. Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion und die einsetzende Geldentwertung ließ den Wunsch des Wiederaufbaus in weite Ferne rücken. Doch bereits 1994 wurde beschlossen, dass die Kathedrale bis zur 850-Jahrfeier der Stadt Moskau im Jahre 1997 wieder aufgebaut werden soll.

Abb.24 aus Kleinbogen 850-Jahre Moskau (MiNr 576-580) mit Panorama des Kremls und der Christus-Erlöser-Kathedrale

Die obere Markenreihe der Markenausgabe des Kleinbogens zur 850-Jahrfeier der Stadt Moskau (MiNr 576-580), zeigt das Panorama des Kremls und die Christus-Erlöser-Kathedrale. Die Grundsteinlegung erfolgte am. 7. Januar 1995, dem orthodoxen Weihnachtsfest. Mitte 1997 war bereits der Rohbau fertiggestellt und es konnte mit dem Innenausbau begonnen werden. Am 31.Dezember 1999, symbolisch zum 2000. Jahrestag der Geburt Christi, wurde die Kathedrale erstmalig für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und am 19. August 2000 wurde die Kathedrale von dem Patriarch Alexius II. eingeweiht.

Abb.25 Ansichtskarte der neuen Kathedrale


Abb.26 Fotografie von Karl Lukas vom 6. Juli 2009 aufgenommen bei einer Schifffahrt auf der Moskwa



Literatur:
Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Michel Briefmarkenkatalog Europa Band 7 - Osteuropa 2010/2011
Michel Ganzsachen-Katalog Europa Ost 2004/2005
Stadtplan: Illustrierter Stadtplan der Stadt Moskau 1879, Verlag A. A. Kasatkin.
Иллюстрировнный рлан столичнаго города Москвы, 1879, Исдание A. A. Касаткина
Reiseführer: "Führer durch die Sowjetunion" Die fünf größten Städte der Sowjetunion - Moskau,
redigiert von A. Radò, Staatsverlag der RSFSR Moskau 1925
Reiseführer: "Im Lande der Sowjets - Die Stadt Moskau - Handbuch für Reisende",
Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau 1938
Reiseführer: "Progress - Reiseführer" MOSKAU Kurzer Reiseführer von W. T. Tschernow von 1980
Zeitschrift WOSTOK, Informationen aus dem Osten für den Westen,
WOSTOK - Verlag Köln Nr. 6/1994 - 1/1995, Seite 91 bis 95