[Suche/Biete] [Wir über uns/Chronik] [Impressum/Kontakt] [Prüfer-Liste] [Aufnahmeantrag] [Feedback]

Aktuelles

Veranstaltungen

Publikationen

International Section

DZRP Inhaltsverzeich.

Periodika

Zarenreich bis 1917

RSFSR 1918-1923

UdSSR 1923-1991

Nebengebiete bis1943

Russland ab 1991

Belarus-Weißrussland

Motive Russland

Links

Randnotizen

letzte Änderung 6.1.2013

Stempel und Einschreibezettel im Telegraphenamt Wladiwostok 1917 - 1923
von Dick Scheper (NL - Leidschendam)
übersetzt und bearbeitet von Thomas Berger (CH - Bern)


In dem Buch "Siberia - postmarks and postal history of the Russian Empire period" von Philip Robinson werden die Stempel des Telegraphenamtes von Wladiwostok als selten beurteilt und mit einer "F"-Bewertung versehen. Man kennt sie entsprechend dem am Ende des Krieges üblichen Stempeltyp als Zweikreiser mit Datum im Steg und mit den Kennbuchstaben "b", "e" und "g". Aus meiner Sammlung und aus denen von Michael Kuhn und Dr. Ivo Steyn möchte ich Belege mit den Kennbuchstaben "a", "b", "e" und "g" vorstellen.
Abb. 1a: Brief vom 28.3.1917 (Vorderseite)
Abb. 1b: (Rückseite)
Abb. 1: Vorder- und Rückseite eines eingeschriebenen Briefes vom 28.3.1917, Aufgabestempel "Wladiwostok - Telegr." mit Kennbuchstaben "g" nach Petrograd. Frankatur mit zwei aufgewerteten Romanow-Marken, insgesamt 20 Kopeken, Tarif für Einschreibebriefe. Zu diesem Zeitpunkt war noch ein Einschreibezettel "Wladiwostok - Telegraphenamt" mit handschriftlichem Kennbuchstaben "D" in Verwendung. Sammlung Michael Kuhn.
Vergrösserter Datumsstempel 28.3.1917 aus Abbildung 1:
Abb. 1c: Verwendung eines Stempels mit Kennbuchstabe "g" im Jahr 1917 (Ausschnitt aus Abbildung 1a)

Abb. 2 Brief vom 8.5.1918

Abb. 2: Eingeschriebener Brief vom 8.5.1918, Aufgabestempel "Wladiwostok - Telegr." mit Kennbuchstaben "b" vom schwedischen Konsulat nach Blagoweschtschensk. Buntfrankatur mit zaristischen Freimarken, insgesamt 1.40 Rubel, Tarif für einen doppelgewichtigen Einschreibebrief. Zu diesem Zeitpunkt war noch ein Einschreibezettel "Wladiwostok - Telegraphenamt" mit kyrillischem Handstempel "Лит. Д." in Verwendung (Abb. 3b). Sammlung Dr. Ivo Steyn.
Abb. 3: Vergrösserte Ausschnitte aus R-Brief vom 8.5.1918 (Abb. 2):
Abb. 3a Verwendung eines Stempels mit dem Kennbuchstaben "b" im Jahr 1918
Abb. 3b R-Zettel mit kyrillischem Handstempel "Лит. Д"
Abb. 3c Stempel aus dem Jahr 1917 mit Kennbuchstaben "b" auf Marke

Abb. 4 Einschreibebrief vom 11.2.1919 (Vorderseite)
Abb. 4 (Rückseite)
Abb. 4: Einschreibebrief vom 11.2.1919, Aufgabestempel "Wladiwostok - Telegr." mit undeutlichem Kennbuchstaben nach Seattle mit Ankunftsstempel vom 7.3.1919. Frankatur mit 25 und 35 Kop. zaristischer Freimarken für den 60 Kop. Einschreibetarif ins Ausland. Kyrillischer Einschreibezettel "Владивосток / Лит. В.", Zensor Nr. 11 in Wladiwostok und Zensur der US-Streitkräfte.
Abb. 5 Einschreibebrief vom 21.8.1919 (Vorderseite)
Abb. 5 (Rückseite)
Abb. 5: Einschreibebrief des schwedischen Konsulats vom 21.8.1919, Aufgabestempel "Wladiwostok - Telegr." mit Kennbuchstaben "b" an die schwedische Gesandschaft in Tokio mit Ankunftsstempel vom 26.8.1919. Frankatur mit einer Vielzahl von zaristischen Freimarken, um den 3 Rubel - Einschreibetarif ins Ausland zu bezahlen. Kyrillischer Einschreibezettel "Владивосток / Лит. В." und Zensor Nr. 11 in Wladiwostok.
Abb. 6 Einschreibebrief vom 5.2.1920 (Vorderseite)
Abb. 6 (Rückseite)
Abb. 6: Einschreibebrief vom 5.2.1920, Aufgabestempel "Wladiwostok - Telegr." mit Kennbuchstaben "b" über London nach Cottbus mit Ankunftsstempel vom 27.3.1920. Frankatur mit zehn Werten der 20 Kop. und zwei mal 1 Rub. zaristische Freimarken, um den 4 Rubel - Einschreibetarif ins Ausland zu bezahlen. Wiederum kyrillischer Einschreibezettel "Владивосток / Лит. В." und Zensor Nr. 12 in Wladiwostok.
Abb. 7 Einschreibebrief vom 10.1.1922 (Vorderseite)
Abb. 7 (Rückseite)
Abb. 7: Einschreibebrief vom 10.1.1922, Aufgabestempel "Wladiwostok - Telegr." mit Kennbuchstaben "b" (Abb. 7a) nach Stockholm über London (9.2.1922). Frankatur mit Paar der 10 Kop. der Wappenfreimarken von Wladiwostok mit dem Text "Dalne-Vostochnaya Respublika" (Fernöstliche Republik), um den 20 Goldkopeken - Einschreibetarif ins Ausland zu bezahlen. Diesmal ein kyrillischer Einschreibezettel "Владивосток / Лит. Б." (Abb. 7b).
Abb. 7a Stempel 10.1.1922 (Ausschnitt)
Abb. 7b R-Zettel (Ausschnitt)

Abb. 8 Einschreibebrief vom 6.12.1922

Abb. 8: Einschreibebrief vom 6.12.1922, Aufgabestempel "Wladiwostok - Telegr." mit Kennbuchstaben "b" nach Riga. Blassvioletter Stempel des Schiffs nach Tsuruga, Japan und weiter über London zum Bestimmungsort. Frankatur mit Paar der 5 Kop. der Wappenfreimarken von Wladiwostok und Paar der 15 Kop. der Tschita-Ausgabe, um den 20 Goldkopeken - Einschreibetarif ins Ausland zu bezahlen. "Doppeltes Einschreiben" mit kyrillischem sowie lateinischem Einschreibezettel "Vladivostok / Siber. Russie d'Asie ".

Abb. 9 Einschreibebrief vom 11.8.1923

Abb. 9: Einschreibebrief vom 11.8.1923, Aufgabestempel "Wladiwostok - Telegr." mit Kennbuchstaben "b" über Seattle nach Oakland, USA mit Ankunft am 30.8.1923. Frankatur mit fünf Werten der 10 Kop. der Tschita-Ausgabe, um den Einschreibetarif für einen Brief der zweiten Gewichtsstufe ins Ausland zu bezahlen. "Doppeltes Einschreiben" mit kyrillischem sowie lateinischem Einschreibezettel "Vladivostok / Siber. Russie d'Asie ".

Abb. 10 Brief vom 19.5.1919

Abb. 10: Nicht-eingeschriebener Brief vom 19.5.1919, Aufgabestempel "Wladiwostok - Telegr." mit Kennbuchstaben "e" an Mr. H.B. Hallam Esq. in England. Mischfrankatur mit zaristischen Freimarken, einer 5 Kop. Postsparmarke und einer 35 auf 2 Kop. Koltschak-Freimarke, insgesamt 3 Rubel. Seit 26. April 1919 lag der Brieftarif bei 70 Kop. und der Einschreibezuschlag bei 70 Kop., somit ist dieser Brief überfrankiert.
Wahrscheinlich war es die Absicht des Absenders, eine philatelistische Frankatur mit allen auf dem Telegraphenamt erhältlichen Briefmarken zu erhalten.
Abb. 10a Rückseite, Umschlag der "Empress of Russia"

Die Rückseite des Beleges zeigt, dass der Brief bereits an Bord eines Schiffes der Canadian Pacific Ocean Services (CPOS) geschrieben worden sein könnte. Recherche im Internet zeigt, dass der Absender nach Wladiwostok mit dem CPOS - Schiff "Empress of Russia" gekommen sein muss, um diesen Brief aufzugeben. Dieses Schiff unternahm seine erste Fahrt zu Friedenszeiten von Vancouver ab am 10.4.1919 und erreichte Wladiwostok am 19.5.1919, dem Tag der Aufgabe des Briefes.

Nach Betrachtung dieser neun Belege bleiben eine Reihe von Fragen:
1. Die einzige Verwendung des Stempels "Wla-diwostok - Telegr." mit Kennbuchstaben "e" fin-det sich auf einem nicht-eingeschriebenem Brief, während alle Belege mit dem Stempel "Wladiwostok - Telegr." mit Kennbuchstaben "g" (1917) und "b" (ab 1918) eingeschrieben sind. Könnte es sein, dass dies kein Zufall ist, son-dern dass es eine klare Zuordnung der Stempel gab? Hier sind weitere Belege wichtig. Momentan sieht es aber so aus, als würden die Kennbuchstaben in den Datumsstempeln der Jahre 1918 - 1923 einem klaren Schema folgen. Ein bestimmter Stempel bzw. Kennbuchstabe könnte somit den folgenden Funktionen zuge-ordnet werden:

KBSt. "a" Telegramme
KBSt. "b" Eingeschriebene Briefe
KBSt. "g" bis 1917 Eingeschriebene Briefe; danach Aufgabescheine für Telegramme
KBSt. "e" Nicht-eingeschriebene Briefe
Stempel mit den Kennbuchstaben "w" und "d" müssen auch existiert haben.


2. Im vorhandenen Material sind nur zwei verschiedene kyrillische und ein lateinischer Ein-schreibezettel verwendet worden. Sind noch weitere Zettel mit anderen Kennbuchstaben bekannt, z. B. "A" vor "Б" und "В"? Einschreibezettel mit "Лит. А" und "Лит. Б" wurden zumindest beim Hauptpostamt von Wladiwostok eingesetzt (Sammlung Michael Kuhn).

3. War das Telegraphenamt von Wladiwostok über die gesamte Zeit des Bürgerkriegs hin aktiv? Da aus dem Zeitraum Februar 1920 bis Januar 1922 keine Belege vorliegen, wäre auch hier weiteres Material hilfreich.

4. Wann wurde das Telegraphenamt eröffnet? Durch die von Michael Kuhn, Philip Robinson und Dr. Ivo Steyn zur Verfügung gestellten Informationen ergibt sich folgendes Bild: Das Telegraphenamt in Wladiwostok arbeitete offenkundig bereits im Zarenreich. Wladiwostok wurde 1887 an den Telegraphen angeschlossen. Am 1. Juli wurde sein Postamt in ein Post- und Telegraphenamt umgewandelt. Das Telegraphenamt sollte somit kurz nachher eröffnet worden sein. Der früheste bekannte Beleg vom Telegraphenamt Wladiwostok stammt trotzdem erst aus dem Jahr 1917 (Abb. 1, Sammlung Michael Kuhn). Nur in den Jahren 1917/18 wurden die originalen Einschreibezettel des Telegraphenamtes eingesetzt.

5. Welche Datumsstempel wurden denn bei der eigentlichen Aufgabe des Telegraphenamtes, nämlich bei der Verarbeitung von Telegrammen eingesetzt?

Abb. 11: Datumsstempel vom 7.10.1920 auf einem Telegramm-Formular, Aufgabestempel "Wladiwostok - Telegr." mit Kennbuchstaben "a". Sammlung Dr. Ivo Steyn
Abb. 12: Datumsstempel vom 15.6.1920 auf einem Aufgabeschein für ein Telegramm, Stempel "Wladiwostok - Telegr." mit Kennbuchstaben "g". Sammlung Dr. Ivo Steyn
Abb. 11a Telegramm vom 7.10.1920, Stempel s.o.
Abb. 12a Aufgabeschein Telegramm vom 15.6.1920, Stempel s.o.

Einige weitere Briefe mit kyrillischen Einschreibezettel "Lit A und B" (Briefe z. Teil nur als Kopien vorhanden):
Abb. 11a Telegramm vom 7.10.1920, Stempel s.o.
Abb. 12a Aufgabeschein für Telegramm vom 15.6.1920, Stempel s.o.


Abb. 14a Auslandsbrief vom 31.1.1919 (Vorderseite)
Abb. 14b (Rückseite)
Abb. 14c Ausschnitt Stempel u. R-Zettel

Abb. 14: Auslandsbrief vom 31.1.1919 nach Paris. Ordnungsgemäß mit 60 Kopeken frankiert. Der Brief wurde über Yokohame wahrscheinlich mit französischer Seepost befördert. Der Weg über Sibirien war versperrt.

Abb. 15a Auslands-R-Brief vom 29.10.1919 (Vorderseite)
Abb. 15b (Rückseite)
Abb. 15c Ausschnitt R-zettel und Stempel

Abb. 15: Auslands-R-Brief nach Dänemark vom 29.10.1919. Der Brief ist ordnungsgemäß mit 4 Rubel frankiert. Schiffspost über England (London).


Ich danke Michael Kuhn, Philip Robinson und Dr. Ivo Steyn für Scans und weitergehende In-formationen. Wenn Sie Informationen zum Te-legraphenamt in Wladiwostok haben, dann schreiben Sie mir am besten eine Mail (dick.scheper@planet.nl).