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Fälschungserkennung
Armenien 1921/22 - Die zweite Bilderausgabe des ASSR
von Stefan Berger (Jena)


Zur Zeit der ersten sowjetischen Regierung, kurz nach der Machtübernahme der Bolschewisten und noch bevor die erste Ausgabe ausgeliefert wurde, die bei der Druckerei Essajan in Konstantinopel in Arbeit war, gab die Regierung bereits eine zweite Serie in Auftrag. Warum dies geschah, ist nicht genau bekannt. Möglicherweise war die Regierung nicht mehr mit der Regelung zufrieden, die für die erste Ausgabe getroffen wurde. Es sollten als Bezahlung 40% der Auflage von der Druckerei einbehalten und außerhalb von Armenien verkauft werden. Vermutlich wollte man deshalb sogar auf die Verwendung dieser Marken ganz verzichten. Letzteres wurde möglicherweise wiederum deshalb aufgegeben, weil man aus nicht bekannten Gründen mit drei Designs der zweiten Ausgabe nicht zufrieden war [1].
 
Die Marken der zweiten Ausgabe wurden lithographisch mittels Steindruck hergestellt. Alle Marken sind nur ungezähnt verwendet worden. Die Entwürfe stammt von Sarkis Khatachurian. Die Marken sind einfarbig und jedes Design existiert in den Farben schiefer und rosa. Auch hier ist nicht bekannt, warum diese deutlichen Vereinfachungen im Design gegenüber der ersten Ausgabe vorgenommen wurden. Es wird spekuliert, dass vor allem der Wunsch nach kurzfristiger Lieferung im Vordergrund stand [2]. Letztendlich sind die Marken beider Ausgaben - mit Ausnahme dreier Wertstufen der zweiten Ausgabe - Anfang 1922 mit Überdruck einer neuen Wertstufe in neuer Währung (Goldkopeken) zur Ausgabe gekommen. Etwa drei Monate zuvor begann Essajan bereits damit, Teile seiner 40% der Auflage der ersten Ausgabe in den Markenhandel zu bringen. Dadurch tauchten in Europa Katalognotierungen auf, bevor die Marken mit Überdruck  zur Ausgabe gelangten.
 
Die Marken der zweiten Ausgabe wurden Ende 1921 an den Auftraggeber geliefert. Es wird berichtet, dass die komplette Auflage - mit Ausnahme der Wertstufen 100, 10.000 und 20.000 Rubel - mit Überdruck versehen wurden und zur Ausgabe gelangten. Die Marken mit den nicht akzeptierten Motiven wurden weggeschlossen. Es konnten daher theoretisch keine unüberdruckten Marken auf den Markt und zu Sammlern gelangen. Trotzdem fanden einzelne unüberdruckte Marken dieser Ausgabe den Weg in den westlichen Markenhandel und zu Sammlern. Marken dieser Ausgabe erschienen mit hohen Notierungen im Katalog von Romeko Paris (1926) und auch in einer Riep Auktion (1925). In der Sammlung des Barons von Scharfenberg war eine Marke zu 100.000 Rubel zu sehen [1].
Ende 1920 waren plötzlich weitere unüberdruckte Marken in nennenswerter Anzahl im Handel  verfügbar. Ein Teil dieser Marken stimmt in Zeichnung, Papier und Farbe mit den Originalen überein und ist nicht von den Originalen unterscheidbar! Der andere Teil der Marken stimmt zwar in der Zeichnung überein (Geheimzeichen) fällt aber durch einen deutlich schwächeren Farbauftrag auf. Letzteres führt dazu, dass vor allem Feinheiten im Hintergrund oder bei flächigen Mustern fehlen. Diese Marken stammen mit hoher Sicherheit von Essajan. Lange wurde spekuliert, ob dies heimlich zurückbehaltene Restbestände waren, die jetzt an Händler verkauft wurden, oder ob Essajan diese Marken nachdruckte. Da zeitgenössische Quellen (russischer Katalog) berichten, dass der Auftraggeber die Zerstörung der Druckplatten anordnete, ging man lange davon aus, dass die Theorie der Restbestände zutrifft. Mittlerweile liegen mir komplette Bögen der Nachdrucke und Teilbögen der Originale vor. Während bei den Originalen ein Design über einen ganzen Bogen gedruckt wurde, hat Essajan für weitere "Auflagen" das Design mehrerer Marken auf einem Bogen zusammengefasst. Damit wurden Steine frei für neue Aufträge und es ist klar, dass zu einem späteren Zeitpunkt zusätzliche, nicht authorisierte Druckvorgänge stattfanden.
 
Es lassen sich Nachdrucke in zwei Phasen nachweisen. In der ersten Phase kombinierte Essajan die Designs auf zwei Bögen, später wurde nochmals zusammengefasst und es sind alle Designs auf einem Bogen untergebracht. Damit könnten Nachdrucke als Einheiten unterschiedlicher Designs und Wertstufen vorkommen. Bis jetzt habe ich keine Beispiele dafür finden können. Von den mir vorliegenden Bögen sind zwei nicht gummiert. Das kann daran liegen, dass die Bögen von diesem Arbeitsgang ausgenommen wurden, oder dass ein Teil der Auflage der Nachdrucke nicht oder später gummiert wurde. Nicht klar ist, warum ein Teil der Marken in guter Qualität erscheinen und ein Teil mit deutlich schwächerem Farbauftrag.  Mutmaßungen Ceresas [1], dass sich die Steine mit der Zeit abnutzen, erklärt nicht das Fehlen von Zwischenstufen. Vielleicht hat Essajan auch gedruckt, bis die Farbe komplett alle war, oder bei den Nachdrucken wurde an der Farbe gespart. Klar ist, dass diese Marken nicht offiziell beauftragt wurden. Es war auch nie geplant, diese Marken zu Frankaturzwecken zu verwenden. Sie sind daher nach strengen Gesichtspunkten nicht sammelwürdig.
 
Die Originale (bis auf die 3 nicht verwendeten Werte) werden im 2009er Liapin Katalog [3] mit hohen Bewertungen geführt. Das halte ich für berechtigt, diese Marken sind sehr rar. Um so wichtiger ist es aufzupassen, dass man keine Nachdrucke oder gar Fälschungen angeboten bekommt. Liapin weißt auf zwei Merkmale der Nachdrucke hin: helleres Papier und weißer Gummi. Diese Merkmale sind aber nicht immer eindeutig anzutreffen. Fast alle Händler kennen diese Unterschiede nicht.
1935 konnte Herr Rockling von Romeko Paris in Moskau weitere unüberdruckte Marken erwerben [1]. Vermutlich handelt es sich dabei um echte Originale und nicht um Nachdrucke. Ceresa vermutet, dass nur jeweils ein Bogen vorhanden war. Diese Marken waren offensichtlich von den Behörden in Eriwan zurückbehalten - eventuell in einem aufgelöste Archiv -  und wurden später zusammen mit vielen Marken anderer Ausgaben nach Moskau zur finanziellen Verwertung geliefert.
Auch ein Fälscher hat sich dieser Ausgabe angenommen und so existierten in relativ geringen Mengen Fälschungen. Die Fälschungen haben deutlich gröbere Zeichnungen, dickeres, braunes Papier und unterscheiden sich auch in der Gummierung.
 
Zusammenfassend lassen sich die folgenden Varianten unterscheiden:
 
1. Originale aus dem ursprünglichem Auftrag, hergestellt von der Druckerei Essajan in Konstantinopel; in homöopathischen Mengen ab 1922 im Westen verfügbar, ab 1935 zusätzliche Exemplare aus Moskau -> O
2. Nachdrucke wie echt - vermutlich aus zurückbehaltenen Restbeständen Essajans, in selber Qualität und Papier wie die Originalen; schwer von den Originalen zu unterscheiden, wenn überhaupt  -> O
3. Nachdrucke schwach - mit deutlich schwächerem Farbauftrag, hellerem Gummi und teilweise abweichendem Papier -> R
4. Fälschungen in deutlich abweichender, gröberer Zeichnung und fehlenden Geheimzeichen -> F
 
Die "echten" Originale sind sehr selten. Für die Scans der Originale der Werte, die überdruckt ausgegeben wurden, musste ich deshalb auf überdruckte Marken zurück greifen. Die Marken denen man am Markt begegnet sind zu 75% Nachdrucke und zu 20% Fälschungen. Einzige Ausnahme mit ca. 5% sind die Originale der Wertstufen 100, 10.000 und 20.000 Rubel, die nicht überdruckt wurden und 1935 über Moskau den Weg in den Westen fanden. Auch die Fälscher der Überdrucke standen  vor dem Problem, dass kaum Originale für Aufdruckfälschungen zur Verfügung standen. Die Fälschungen der Überdrucke sind daher fast immer auf den "schwachen" Nachdrucken zu finden. Das zu wissen, ist in der Praxis der Fälschungserkennung sehr hilfreich.
 
 
Die Marken der zweiten Ausgabe:
100 Rubel - Armenische Frau am Spinnrad
250 Rubel - Storch (Kranich?),
Kirche und Berg Ararat im Hintergrund
500 Rubel - Dorfszene mit Ochsenkarren
1000 Rubel - Armenische Frau am Brunnen
2000 Rubel - Eisenbahnstation Eriwan,
im Hintergrund der Berg Ararat
5000 Rubel - Soldat auf Pferd,
im Hintergrund der Berg Ararat
10000 Rubel - Adler
20000 Rubel - Hirte
Die Nachdrucke und Fälschungen
Die Nachdrucke sind am schlechten Farbauftrag erkennbar. Bei den Fälschungen fehlen die Geheimzeichen und die Zeichnung ist gröber. Papier und Gummi weichen bei den Fälschungen ab, bei den Nachdrucken ist es unterschiedlich. Meist ist Papier und Gummi heller. Diese Merkmale gelten für alle Wertstufen, ich habe deshalb willkürlich zwei Beispiele ausgewählt.
 
Original:
 
Nachdruck:
(einmal mit weißen Gummi)
(einmal mit nicht so weißem Gummi)
Fälschung:
 
Original:
 
Nachdruck:
 
Nachdruck:
 
Fälschung:
 
Die Geheimzeichen der Originale und Nachdrucke
Die Geheimzeichen der Originale und Nachdrucke habe ich aus dem Buch von Zakian/Saltikoff [5] entnommen. Da  die Nachdrucke mit den originalen Steinen hergestellt wurden, kann man die Ge-heimzeichen nur zur Identifizierung der Fälschungen nutzen! Allerdings lassen sich die Fälschun-gen durch die krude Ausführung auf den ersten Blick erkennen, so dass die Geheimzeichen wenig praktischen Nutzen haben.
100 Rubel
250 Rubel
500 Rubel
1000 Rubel
2000 Rubel
5000 Rubel
10.000 Rubel
20.000 Rubel
Literatur:
[1] Ceresa, R.J.: The Postage Stamps of Russia 1917 - 1923.
Volume 1. Armenia Part 10 - 13. The Pictorial Issues and Surcharges
[2] Tchilinghirian, S. D.; Ashford, P. T.: The Postage Stamps of Armenia. - Bristol, 1953.
The British Society of Russian Philately [Hrsg.]
[3] Liapin Katalog 2009: Viktor Alexandrowitsch Liapin;
The Catalogue of the Postage Stamps of Russia 1856-1991; Moskau 2008
[4] Zakiyan, Armenia Postage Stamps, Fiscal Stamps, Postage Cancels, 2003 Erewan
[5] Zakian-Saltikoff, Post and Postage Stamps of Armenia, Erewan 1988