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letzte Änderung 3.8.2014
Jahrmarkt Nischni Nowgorod
Abbildungen u.a. von Th.Berger, G. Paulus, G. Ludwig, Th. Wiegmann

Seit 1641 und bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts fand der "Makarjew-Markt", die größte Veranstaltung und einer der lebhaftesten Handelsmärkte dieser Art in Russland in der Stadt Makarjew statt. Makarjew liegt etwa 90 km südöstlich der Oblast-Hauptstadt Nischni Nowgorod am linken Ufer der Wolga. 1816 kam es zu einem verheerenden Brand, infolgedessen der Markt in das weitaus größere Nischni Nowgorod verlegt wurde, welches damit endgültig zu einem der Handelszentren Russlands aufstieg. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich Nischni Nowgorod als die Handelsstadt des Russischen Reiches etabliert und lockte seit dieser Zeit Jahr für Jahr Millionen von Besuchern in die Stadt. Der "Jahrmarkt" war einer der bedeutendsten Handelsmärkte des vorrevolutionären Russlands.
Bei so zahlreichen Besuchern aus Nah und Fern war es natürlich erforderlich für eine geregelte und einfache Postverbindung zu sorgen. So wurde ein Postamt direkt auf dem Messegelände eingerichtet. Dieses Postamt hatte die Bezeichnung "NISCHNI NOWGOROD Jahrmarkt" in unterschiedlichen Ausprägungen und war temporär zur Messe geöffnet. Die russische Bezeichnung "Jarmarka" stammt ohne Zweifel von deutschen Wort "Jahrmarkt", es bezeichnet im russischen aber neben dem klassischen Jahrmarkt auch Messen, ganze Messegelände und Ladenhallen. Nachstehend abgebildet sind Stempel aus den Jahren 1904, 1911 und 1912.

Stempel "Nischegorodskaja Jarmarka ** g" 19.8.04
"НИЖЕГОРОДСКАЯ ЯРМАРКА ** г" 19.8.04
einfacher Zweikreis-Stegstempel,rechts im Detail



Stempel "Nischnii-Jarmarka ** r" 27.7.11
"НИЖНIИ-ЯРМАРКА * р" 27.7.11
einfacher Zweikreisstempel, rechts im Detail




Stempel "Nischnii-Jarmarka ** e" 25.8.12
"НИЖНIИ-ЯРМАРКА * е" 25.8.12
einfacher Zweikreisstempel, rechts im Detail



Nach der Verlegung des Jahrmarktes 1817 nach Nischni Nowgorod wurde dort ein neues großes Messegelände am westlichen Oka-Ufer erbaut. Nischni Nowgorod stieg zum größten "Jahrmarkt" d.h. Messe Russlands auf, 1810 hatte Nischni Nowgorod ca. 10.000 Einwohner, 1897 bereits um die 95.000, heute 1,5 Millionen. Moskauer Kaufleute, Händler aus Mittelasien, Sibirien, der oberen und der unteren Wolga sowie anderen Regionen Russlands handelten hier mit Tee und Porzellan aus China, mit Kaviar, Salz und Fisch aus Astrachan und Saratov, mit Baumwolle aus Mittelasien, Textilien aus Moskau, Eisenerzeugnissen aus dem Ural, Pelzwaren, Getreide, persische Teppiche usw.. Sie nutzten die günstige Verkehrslage Nischni Nowgorods. Über die Oka und deren Nebenfluß Moskwa war Moskau leicht zu erreichen, später allerdings brachte der Bau der Sibirischen Eisenbahn gewisse Einbußen.
1918 wurde die Messe geschlossen, im Jahr 1922 wieder für ein Jahr eröffnet und dann für lange Jahre letztmals 1929–30 durchgeführt. Nach 60 Jahren Pause wurde die alte Messe prachtvoll restauriert und 1991 wieder eröffnet.

Nischni Nowgorod Brücke über die Oka und Blick auf den Jahrmarkt


Blick auf den Nischegorodskaja Jahrmarkt, 1911


Nischegorodskaja Jahrmarkt, Alexandro-Newskaja-Straße im Hochwasser


Nischegorodskaja Jahrmarkt, Blick zum Boulevard


Nischegorodskaja Jahrmarkt, Verwaltungsgebäude im Hochwasser


Nischegorodskaja Jahrmarkt Verwaltungsgebäude, diesmal ohne Hochwasser, Karte geschrieben 1902


Das Messegebäude wurde von A. A. Betankur im 19. Jahrhundert erbaut, es ist ein prächtiges Bauwerk mit einer großen Stahl-Glas Decken-Konstruktion. Auf dem Messegelände befindet sich außerdem die Kathedrale, erbaut von Auguste de Montferrand, der auch die Isaakskathedrale in Sankt Petersburg schuf. 1991 wurde die Messe renoviert und wieder neu eröffnet.

Eine Karte aus der Sowjetunion und dem Jahr 1929(?), bevor der "Jahrmarkt" für viele Jahre eingestellt wurde:

Nischni-Nowgorod Jahrmarkt-Verwaltungsgebäude, handschriftliche Erläuterungen zur geographischen Lage


Karte aus der Sowjetzeit, geschrieben am 8.IX. (vermutlich 1929)


Stempel "НИЖНIИ-ЯРМАРКА", undeutlich, Datum leider nicht lesbar (Stempelform noch wie der Stempel von 1911)
(die Marke Michel-Nr. 316 wurde 1927 ausgegeben und war nur bis 31.3.1929 gültig, auf Karte wurde der 8.IX. angegeben. Entweder wurde die Marke noch nach Ablauf der Frankaturgültigkeit verwendet oder der "Jahrmarkt" wurde bereits 1928 nochmals abgehalten, nicht erst 1929-30 wie vorher erwähnt).



Nischegorodskaja Jahrmarkt Blick auf Oka und Wolga, Hochwasser

In der DZRP Heft 73/2000 (Seite 9/10) hat ArGe-Mitglied Günter Ludwig (Marl) einen kleinen Artikel  über den Jahrmarkt in Nischni Nowgorod verfasst.Er beschreibt, wie von 1817 bis 1917 in Nischni Nowgorod Messen und Märkte abgehalten wurden, dass diese Jahrmärkten immer ein besonderes Ereignis waren und dass es auch entsprechende Poststempel dafür gegeben hat. 
Postkarte vom Jahrmarkt in Nischni Nowgorod, aufgenommen im Jahr 1916
 
 
G. Ludwig zeigt eine  Postkarte P11 mit dem Ortsstempel "Nischnij Jarmarka 25.9.1908 a", auch eine ähnliche Postkarte wie oben ist abgebildet, anscheinend von der anderen Seite der Straße. Inzwischen hat ArGe-Mitglied Thomas Wiegmann freundlicherweise ein Bild der Postkarte P11 zur Verfügung gestellt, unten links ein Ausschnitt mit dem Stempel, leider etwas schlecht abgeschlagen und rechts die Postkarte im Ganzen.

Ausschnitt und Vergrößerung Stempel
 

 
 
Bereits in DZRP Heft 38/1985 (Seite 63/64) hat ArGe-Mitglied W. Frauenlob (verstorben) einen Jahrmarkts-Brief vorgestellt, er schrieb damals: "Frankiert mit 10 Kopeken und entwertet mit Sechseck-Punktstempel  "30" mit spitzen Ecken zu beiden Seiten für die Postabteilungen. Der Stempel NISCHNI-NOWGOROD, temporär - Jahrmarkt (siehe Abbildung rechts). Der Abgangsstempel auf der Rückseite heißt Nischni-Nowgorod, Filiale Jahrmarkt, Ankunftstempel Moskau, 5.August 1860. Der Brief wurde damals auf einer Auktion für 750.- SFr plus 15% Aufgeld erworben.