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Randnotizen

letzte Änderung 26.3.2013
Eilpost zu Sowjetzeiten
von Werner Rollmann

Zu Beginn der 20er Jahre wurde ein starker Anstieg am Bedarf nach schneller Zustellung verzeichnet. Das Volkskommissariat für Post und Telegrafie (NKPT) reagierte darauf und führte Ende 1922 in 25 Großstädten die Eilzustellung ein. Auf Beschluss des NKPT vom 08.09.1922 wurde der Dienst "Eilsendungen" zwischen den Orten Moskau, Petrograd, Tula, Orel ..., und zwar ausnahmslos auf den Verbindungen von Moskau zu diesen Orten und umgekehrt, sowie als Transit durch Moskau zwischen den genannten Orten eingeführt. Die Sendungen mussten in den dafür festgelegten Postämtern gegen Barzahlung eingeliefert werden. Zugelassen waren: Banderolen, Postkarten, Briefe, Wertbriefe und -pakete, wobei letztere besonders versichert werden mussten. Tarife siehe später.
Abb. 1a
Abb. 1b

In den Richtlinien für Eilsendungen wurde u.a. festgelegt: Eilsendungen sind jede Art Regierungs- und Privatkorrespondenz, die nach besonderen Tarifen frei gemacht wurden und ein deutlich erkennbares Zeichen - farbiger Aufkleber mit der Inschrift "Eilsendung" (спешная/expres) besitzen. Diese Dienstleistung entwickelte sich sehr schnell. In kurzer Zeit waren über 100 Städte einbezogen und in Petrograd wurde z.B. am Tage 3x zugestellt. Bereits 1923 wurden Städte in das Netz einbezogen, die bis max. 10 Werst von Orten des Fernverkehrs der Eisenbahn entfernt waren. Der rote kopfstehende Aufkleber (2,5 x 2,5 cm) mit dem Buchstaben "B" in Abb. 2 weist darauf hin, dass der Brief von einem Bahnpostamt aus einen Bahnpostwagen übernommen wurde. Die Anbringung des senkrechten roten Aufklebers in Abb. 3 wurde mit Beschluss vom 29.06.1925 für alle Eilpostsendungen als verbindlich erklärt. Mit der Inbetriebnahme des Luftpostverkehrs im Inland wurden auch über diesen Weg Eilsendungen befördert.
Abb. 2

Abb. 3

Am 05.05.1932 wurde ein Beschluss "über die Entwicklung der Luftpost und der Eilpost" gefasst. Die dazu gehörige Anordnung enthält die Tarife für "Aviaexpress" und "Express". Mit Wirkung vom 15.05.1932 wurden beide unter dem Begriff "Express" zusammengefasst. Im Zusammenhang damit erschienen am 10.4.1932 drei "Eilmarken (Express)" MiNr. 407-409. (Abb. 4)
Abb. 4a - MiNr. 407
Abb. 4b - MiNr. 408
Abb. 4c - MiNr. 409
Die 1935 vom Ministerium für Post- und Fernmeldewesen beschlossene Postordnung legte u.a. fest: Auf jeder Eilsendung ist auf der Anschriftenseite über der Adresse das Wort "спешное" (Eilsendung) und bei Paketen und Wertsendungen das Wort "по авиа" anzubringen. Dies erfolgte handschriftlich oder mittels Stempel. In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt - staatliche Organisationen, die ohne Verwendung von Briefmarken abrechneten, verwendeten Frankaturstempel, die denen in Abb. 5 ohne das letzte Wort Frankaturstempel, "наличними" ähnelten.
Abb. 5

Die Gebührenfestlegung für Eilsendungen erfolgte weitestgehend unabhängig von den allgemeinen Gebühren. Sie wurden aus Literatur 1 übernommen. Zum Zeitpunkt der Einführung wurden die Gebühren am Schalter in bar in alter Währung erhoben, und zwar
- für Postkarten und Briefe 40 Rubel je 20g
- (bei Wertbriefen zusätzlich 5% von der genannte Summe, mindestens 200 Rubel),
- für Banderolen 10 Rubel je 10g, jedoch mindestens 150 Rubel je Banderole.

Mit der Einführung der Goldwährung am 20.08.1923 erfolgte die Freimachung mittels Briefmarken. Bis 30.09.23 war eine Freimachung mit alten Marken (in Rubel) möglich. Eine genaue Aufteilung der Gebühren nach Sendungsart konnte nicht ermittelt werden.
- Als Mindestbetrag waren 90 Kopeken festgelegt (siehe auch Abb. 1a,1b).
Hier wurde die Festlegung des NKPT vom 6.2.1924 missachtet, nach der zum Zwecke der Einsparung Kombinationen aus 50 und 20 Kopekenwerten benutzt werden sollten.
- Am 01.09.1924 erfolgte eine Gebührensenkung auf einen Mindestwert von 70 Kopeken.
- Ab 21.12.1926 wurden für Postkarten 60 Kop. und für Briefe 68 Kop. erhoben.
- Für Luftpostbeförderung im Inland waren 73 bzw. 83 Kop. zu entrichten.

Als Kuriosität sei noch auf eine Notiz in Literatur 2 hingewiesen: Zur Freimachung eines Eilbriefes von Tscherkassi nach Kiew im Oktober 1923 wurden auf ihm 83 Fünfrubel-, 34 Zehnrubel- und 81 Dreirubelmarken verklebt - insgesamt 549 Rubel. Mit Beschluss vom 02.11.1938 wurde nach 15 Jahren die Dienstleistung "Eilsendung" eingestellt.

Literatur:
1. Ju. Rudnikow, "Спешная почта" (Eilpost),Filatelija CCCP Heft 6/1979, S. 45-47
2. P. Masur, "Спешная почта" (Eilpost), Filatelija CCCP Heft 4/1980, S. 50-52
Die Abbildungen 1,2 und 3 zeigen die Lose Nr. Nr. 21609, 21613 und 21615 der 9. Auktion des Berliner Auktionshauses SCHLEGEL. Wir bedanken uns beim Auktionshaus Schlegel für die Genehmigung zum Abdruck dieser Lose.


Ergänzend zu dem Artikel einige weitere Belege aus den Jahren 1928 bis 1933 mit verschiedenen Aufklebern und Stempeln zur Eilpost/Express-Beföderung (aus der Sammlung von W.Weidner):
1.6.1928 Cherson
19.9.1929 Moskau
19.11.1930 Leningrad
27.11.1930 Moskau
18.8.1933 Moskau